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Willi-mobil geht schlafen.

Willi ist nicht mehr mobil, ich selber lebe wieder im Haus, festgemauert in der Erden (nur ohne Glocke). So macht dieser Blog unter diesem Namen erstmal keinen Sinn mehr und wird daher bis auf Weiteres schlafen gelegt.

Weiter geht’s in meinem Redbuses-Blog, wo die letzten 14 Monate nichts passiert war. Also bitte Lesezeichen und/oder RSS-Feeds ändern (neu: http://www.redbuses.co.uk/?feed=rss2)

Im Strahl k*****…

… möchte man ja immer wieder mal gern im Zusammenhang mit Behörden, ganz besonders gern mit den Finanzämtern. Beispiele gefällig?

Irgendwann im vergangenen Winter habe ich mich offiziell in Deutschland abgemeldet, was erstaunlich einfach ging: einfach Abmeldeersuchen an die Meldestelle in Berlin gesendet und – zack – kam kurz darauf die Abmeldebestätigung. Wer nun aber glaubt, daß die Abmeldung beim LAND BERLIN auch die Adressenänderung z.B. beim FINANZAMT BERLIN (dürfte ja wohl zum Land Berlin gehören) beinhaltet, der irrt gewaltig! DATENSCHUTZ heißt die fadenscheinige Begründung, alles nur zu meinem Wohl. Daß ich nicht lache! Der Mensch ist heute derart gläsern, wozu dann noch Datenschutz an gerade dieser Stelle?

Weil nun also das FA Berlin-Schöneberg meine neue Postanschrift bei meinen Eltern nicht kannte und mein Nachsendeantrag auch mittlerweile ausgelaufen war, erreichte mich die Post meines persönlichen Finanzministers also auch nicht. Eine Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 für mein Mini-Ingenieurbüro, das ich mal 2008 für genau vier Rechnungen an- und im August 2009 wieder abgemeldet hatte, war fällig. Es reicht ja nicht, daß man monatlich eine Erklärung mit NULL Euro Umsatz abgegeben hätte, nein, ein Jahresabschluß ist noch fällig, es könnte ja sein, daß man was vergessen hat. Oder was? Glücklicherweise kann man sowas ja online bei elster.de machen… Software gedownloaded (natürlich nur für Windoofs verfügbar, nicht etwa plattformübergreifend als Java-Applet, neinnein!), installiert, Namen und Steuernummer und ganz viele Nullen eingetragen, und ab dafür! Denkste, Puppe: DATENSCHUTZ heißt die Devise! Sowas geht natürlich nicht so einfach. Damit die Finanz-Sachbearbeiter (Beamte sind das ja wohl in den meisten Fällen keine mehr, oder?) auch auf meine Erklärung zugreifen dürfen, muß ich zusätzlich noch einen irgendwie gearteten Schlüssel ausdrucken und per Post hinterher senden. Wozu dann bitte Online-Erklärung? Ich könnte auch ein digitales Zertifikat anfordern, das allerdings einer Aktivierungs-ID bedarf, welche man gern auf dem POSTWEG zusendet. DANKE, ES REICHT!

Willi wurde im Februar 2010 auf meine Mutter umgemeldet… nicht, daß die Finanzämter Gütersloh und Berlin untereinander kommunizieren! Gütersloh hat seine Steuer neu bekommen (was ja üblich ist), Berlin aber nicht die überzahlte zurückgebucht. Damit nicht genug, man ist sich auch nicht zu fein, das nächste Halbjahr weitere 721 Euro einfach abzubuchen, was jedoch mangels ausreichender Deckung des Kontos zu dem Zeitpunkt glücklicherweise vereitelt wurde.

Genau das bekommt dabei heraus, wenn “Datenschutz” auf die Spitze getrieben wird. Statt sich über lächerlich zu machen im Kampf gegen so sinnvolle Dienste wie Google StreetView, sollten die sogenannten Datenschutzbeauftragten besser mal hinterleuchten, was sie eigentlich den ganzen Tag für eine Scheiße anrichten.

Ich möchte wirklich nicht wie einer dieser “hier ist alles besser!”-Auswanderer klingen, weil das sicher auch nicht der Wahrheit entspräche. Viele Dinge sind hier aber viel einfacher. Kleinbetriebe mit einem jährlichen Umsatz von unter 56.000 Pfund brauchen keinerlei Umsatzsteuer zu zahlen, sie allerdings auch erst gar nicht vom Kunden einfordern. Eine Gegenrechnung mit steuerhaltigen Ausgaben fällt dann natürlich auch weg.
Für die Kfz-Steuer kauft man hier halbjährlich oder jährlich auf einem Postamt oder direkt bei der Kfz-Behörde eine Steuerplakette (“tax disc”), für die man gegen Abgabe selbiger an den gleichen Stellen eine Vergütung bekommen kann (weil man das Auto z.B. derzeit nicht nutzt), abzüglich etwa 20 Pfund Bearbeitungsgebühr. Ansonsten wird das Auto mit tax disc ge- und verkauft, der Käufer freut sich, ohne gültige tax disc sind Autos nur schwer abzusetzen, weil nicht auf der Straße überführbar und erst versteuerbar, wenn man eine Kfz-Versicherung nachweisen kann (die man jedoch online bereits beim oder vor dem Kauf eines Autos abschließen kann). Läuft eine tax disc ab, bekommt man etwa 8 Wochen vorher einen reminder, einen Erinnerer, der einen daran erinnert und der eine Referenznummer enthält, mit der man das Auto mit zwei Klicks online SORN (statuatory off road notice – derzeit nicht auf der Straße) melden kann/muß, wenn man keine neue Steuerplakette kauft.

Erwähnt sei noch, daß der Normalsterbliche mit Einkommen unter 2500 Pfund im Monat (so etwa) niemals nicht Steuererklärungen abgeben muß, solange er nicht irgendwas geltend machen möchte, wie Fahrkarten, geschäftlich genutzte Autos oder was es sonst so auch in Deutschland in dem Fall gibt).

Krefeld meets London

In Leicester wird man sich gefreut haben, als man 1981 einen Meterspur-Straßenbahnwagen samt Beiwagen von der Partnerstadt Krefeld geschenkt bekam… Der Triebwagen gehört der in Krefeld damals seltenen Gattung der Vierachser an (DÜWAG GT4, ist zudem der sole survivor). “Irgendwann”, der genaue Zeitpunkt liegt wohl im Dunkel, kam er zum “Museum of Transport” in Essex, das später zum “London Heritage Transport” avancierte. Wie auch immer, vor ein paar Jahren erreichte der Triebwagen, vom Beiwagen fehlt jede Spur, Nordostlondon. Er steht seitdem auf zwei Schienenstücken, von einem Gleis kann nicht die Rede sein. Sein Zustand würde hierzulande als “derelict”, baufällig, bezeichnet werden, er löst sich jedenfalls – wie viele Stehzeuge auf dem Gelände – nach und nach selbst auf.

Bei “Drehscheibe online” ist zu lesen, daß der Zug im Jahr 2000 noch in Quorn unweit Leicester gesichtet wurde, die Information, er würde dem Walthamstow Pump House Museum (wo unser “Foodmaster” untergestellt ist) gehören, ist jedoch falsch, er gehört nach wie vor “London Heritage Transport” oder was/wer immer davon übrig geblieben sein mag.

Ich habe heute in der Dämmerung einige Handy-Fotos von dem traurigen Haufen gemacht, bei Lust und Laune hole ich das bei Tageslicht nochmal mit einer ordentlichen Kamera nach.

Angekommen (vor einem Jahr)

“Angekommen” hieß es hier vor einem Jahr. Ja, ein Jahr ist es nun schon her, daß ich den Schritt, oder besser die Fahrt, über den Kanal auf die große Insel wagte, wo die Autos auf der falschen Seite fahren. “Falsch” war und ist diese Seite nun ganz und gar nicht, daran gewöhnt man sich – gewöhnte ich mich – sehr schnell. Wie an diversen Stellen berichtet, zog ich von Campingplatz zu Campingplatz, fünf an der Zahl, blieb mal kürzer und mal länger, zog vor allem ab Oktober meinem Job hinterher, der erst im östlichen Kent, in Faversham, stattfand (findet ein Job statt?), im März oder so zogen wir – der Job, der Routemaster/Foodmaster und meine Wenigkeit inkl. Willi und Pepe – weiter nach Rochester, ebenfalls in Kent.

Ende April mußte ich leider einsehen, daß ich vor allem ob der bevorstehenden Arbeit am Herd im Bus und dank der langen Anfahrtwege zur Arbeit und zurück in Zulunft keine Zeit mehr haben würde, mich um Pepe zu kümmern. 12 Stunden wären wir am Tag voneinander getrennt, minus 8 Stunden Schlaf, macht noch maixmal 4 Stunden Zusammensein, dazu müßte ein dog walker engagiert werden, den ich nicht hätte bezahlen können. So suchte ich nach einer neuen Bleibe für ihn, meine Schwester erklärte sich spontan bereit, ihn vorübergehend aufzunehmen. Nun ist er aber kein einfacher Hund, er braucht viel Beschäftigung und Bewegung, so daß nach acht Wochen eine endgültige Lösung gebraucht wurde. Wieder sprang ein Familienmitglied ein, mein Onkel Uwe, der Pepe schon immer sehr gemocht hatte, hat ihn nun bei sich aufgenommen, Pepe ist damit wieder zurück in Berlin!

Ende Juni war der Bus endlich fertig, was nach 9 Monaten Umbau auch höchste Zeit wurde. Das erste Event war eine mittlere Katastrophe in jeder Hinsicht, niemand hatte Übung im Umgang mit Kunden, Griddleplatte und Buseinrichtung. Die Speisekarte für die beiden Tage wurde spontan zusammengeschrieben, Gasflaschen kamen erst sehr verspätet an (8 Stück à 13kg, weil uns der Gasinstallateur gesagt hatte, wir müßten mit 3-4 Flaschen pro Tag rechnen… die erste Flasche hat insgesamt gut 10 Arbeitstage gehalten ;-) ) wie auch Kuchen und Brötchen, wovon wir etwa 4/5 nicht benötigt haben (hier wie dort). Über die 3000 gekauften Bratwürste wollen wir mal schweigen, die verkaufen wir – nach dem Tiefkühlen – heute noch.

Mit Aufnahme der Arbeit im Bus war ein Umzug nach London unausweichlich, damit verbunden war jedoch ebenso unausweichlich auch die Trennung von Willi. Ich habe ich noch, das gleich dazugesagt, nur lebe ich nicht mehr in ihm. Ein Daueraufenthalt auf einem Campingplatz innerhalb Londons ist – auch aus finanziellen Gründen – nicht denkbar, dazu kommt, daß ich für jeden Fahrtag in der Stadt 200 Pfund für eine Ausnahme von der Umweltzonenregelung abdrücken müßte (Strafe bei Mißachtung wären 1,000 Pfund). Ein Grundtück zu finden, auf dem man sicher stehen könnte, auf dem es zudem Strom, Wasseranschluß und Abwasserentsorgungsmöglichkeit gibt, dürfte ohne Beziehungen fast unmöglich sein. Noch dazu bezahlbar und in einigermaßen annehmbarer Gegend. Für die ersten fast zwei Wochen okkupierte ich das Wohnzimmer meiner Arbeitgeber in Walthamstow, danach folgten drei Wochen in der unsäglichen Lagerhaus-WG, nunmehr wohne ich, wie berichtet, in Leytonstone, unweit des neuen Olympiageländes für 2012 in Stratford.

Ein kurzes Jahr, ein Jahr voller Eindrücke, ein Jahr, in dem ich vielleicht nicht jeden Tag, aber wenigstens jeden zweiten bestätigt wurde in meiner Entscheidung hierherzuziehen. Nach wie vor zieht mich nichts zurück nach Deutschland, von der Familie natürlich einmal abgesehen, aber die ist ja auch mobil ;-)

Totally knackered

Das kommt nämlich dann davon. Wovon? Wenn man mal schnell über 50km mit schwerem Reiserucksack mit dem Fahrrad zurücklegen will…

Das Fahrrad nützte mir in Rochester bei Willi recht wenig, also entschied ich mich schon vor längerer Zeit, es nach London zu holen. Per Auto schied aus, per Zug ist auch nicht so doll, also war eine Überführung auf eigener Achse angesagt, ist ja auch voll im Trend und noch dazu seeeeehr gesund! Mehrere Termine verstrichen aufgrund von Faulheit, Wetter und Arbeit (und zwar in dieser Reihenfolge). Die gerade anstehenden drei freien Tage (Mo bis Mi) sollten nun endlich die Fahrt beinhalten. Montag war Ruhetag, klar, also Dienstag, heute. Hinfahrt (fast) wie gewohnt per Zug, dann vor Ort Rucksack mit Küchenutensilien wie Töpfen, Besteck und Mixer (für Pudding!!!) eingepackt und noch ein paar Geschirrtücher. Das Transportmittel wollte jedoch erstmal überführungstauglich gemacht werden, dazu gehörte neben einer Grundreinigung (aufs Aussaugen des Innenraums habe ich mal verzichtet) auch die Korrektur des Luftdrucks des Hinterachsreifens sowie der Tausch des fortwährend platten Schlauchs an der Vorderachse. Abgeschmiert wurde auch noch, nämlich die Antriebskette, und das linke Pedal bedurfte aufgrund seiner Tendenz zum Blockieren einer Instandsetzung, denn eingedrungenes Wasser hatte das Kugellager austrocknen und verrosten lassen. Ein wenig (naja, ein wenig mehr) Kupferpaste sowie das Neueinstellen des Lagerspiels dürfte nun für weitere 22 Jahre sorgen, denn so alt ist das Schätzchen schon.

Ab ging die Post dann endlich um 16:30, viel zu spät für 35 Meilen (mal 1.6 bitte für km). Die ersten 10 Meilen waren schön, mitten durch Felder, hier und da Brombeeren gepflückt und auch gleich verwertet, Wetter schön, was will man mehr. Der Routenplaner schickte mich bei Auswahl von “Quietest Route” in Tilbury mittels Fähre über die Themse, worauf ich bei 3 Pfund Fahrpreis für den alten Seelenverkäufer aber dankend verzichtete. Stattdessen wollte ich südlich der Themse weiter Richtung London radeln, was mir aber die dichte Industriebesiedlung gründlich vermieste. Also mußte ich Straße fahren, verkehrsmäßig erträglich, aber diese Berge! Man sollte gar nicht meinen, wie hügelig es südlich der Themse ist. Überall Kreidefelsen und dazugehörige Abbauhalden, hier mal eine Bahnbrücke, dort ein Kanal oder was auch immer. Und so war ich bereits vor Absolvieren der Hälfte der Strecke völlig fertig und bedurfte einer Wiederherstellungspause. Diese nahm ich bei einem indischen Imbiss, oder besser Restaurant. Weil drinnen komische Verwandte oder so saßen und ich mein Fahrrad ohnehin nicht aus den Augen lassen wollte, zog ich es vor mit dem Pint Cobra Beer draußen auf dem unbepflanzten Pflanzkübel Stellung zu beziehen, mein Chicken Biryani kam nach angemessener Zeit dann auch in der Plastiktüte nebst Plastikbox zu mir. Die Frage nach einer Gabel oder einem Löffel überforderte den armen Inder leider völlig, immerhin erfüllte er mir meinen Wunsch nach dem Einsatz einiger Überredungskünste. Das Essen war okay, wenn auch nicht gerade ein Sonderangebot, aber gestärkt machte ich mich auf, schnell den Rest der Strecke zu absolvieren. Aber schon das Aufsatteln zeigte: so locker wird das nicht, der Allerwerteste schmerzte bereits ganz ordentlich.
Gut, was soll ich hier herumweinen, hügelig war’s bis ich in Woolwich mit der Free Ferry übersetzte. Chris DeBurghs besorgte Frage entfiel, denn die Fähre heißt nicht umsonst Free Ferry, sie ist Bestandteil der Ringstraße um den Innenstadtbereich, die North bzw. South Circular Road (A205 im Süden, A406 im Norden). Südlondon ist ganz nett, grün vor allem, aber Nordostlondon ist natürlich viel besser, schon allein deswegen, weil ich dort wohne. Vom Fähranleger bis nach Hause waren es noch gut 30 Minuten, aber gut zu fahren, wenn nur die schrecklichen Schmerzen nicht gewesen wären! Der blöde Dynamo für die windige Beleuchtung tat noch sein Übriges… Beckton – East Ham – Forest Gate – irgendwann ist auch die härteste Fahrradtour beendet, und das war heute um 23:00, so habe ich also mal locker über 6 Stunden für 55km gebraucht. Keine Ruhmestat….