… möchte man ja immer wieder mal gern im Zusammenhang mit Behörden, ganz besonders gern mit den Finanzämtern. Beispiele gefällig?
Irgendwann im vergangenen Winter habe ich mich offiziell in Deutschland abgemeldet, was erstaunlich einfach ging: einfach Abmeldeersuchen an die Meldestelle in Berlin gesendet und – zack – kam kurz darauf die Abmeldebestätigung. Wer nun aber glaubt, daß die Abmeldung beim LAND BERLIN auch die Adressenänderung z.B. beim FINANZAMT BERLIN (dürfte ja wohl zum Land Berlin gehören) beinhaltet, der irrt gewaltig! DATENSCHUTZ heißt die fadenscheinige Begründung, alles nur zu meinem Wohl. Daß ich nicht lache! Der Mensch ist heute derart gläsern, wozu dann noch Datenschutz an gerade dieser Stelle?
Weil nun also das FA Berlin-Schöneberg meine neue Postanschrift bei meinen Eltern nicht kannte und mein Nachsendeantrag auch mittlerweile ausgelaufen war, erreichte mich die Post meines persönlichen Finanzministers also auch nicht. Eine Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 für mein Mini-Ingenieurbüro, das ich mal 2008 für genau vier Rechnungen an- und im August 2009 wieder abgemeldet hatte, war fällig. Es reicht ja nicht, daß man monatlich eine Erklärung mit NULL Euro Umsatz abgegeben hätte, nein, ein Jahresabschluß ist noch fällig, es könnte ja sein, daß man was vergessen hat. Oder was? Glücklicherweise kann man sowas ja online bei elster.de machen… Software gedownloaded (natürlich nur für Windoofs verfügbar, nicht etwa plattformübergreifend als Java-Applet, neinnein!), installiert, Namen und Steuernummer und ganz viele Nullen eingetragen, und ab dafür! Denkste, Puppe: DATENSCHUTZ heißt die Devise! Sowas geht natürlich nicht so einfach. Damit die Finanz-Sachbearbeiter (Beamte sind das ja wohl in den meisten Fällen keine mehr, oder?) auch auf meine Erklärung zugreifen dürfen, muß ich zusätzlich noch einen irgendwie gearteten Schlüssel ausdrucken und per Post hinterher senden. Wozu dann bitte Online-Erklärung? Ich könnte auch ein digitales Zertifikat anfordern, das allerdings einer Aktivierungs-ID bedarf, welche man gern auf dem POSTWEG zusendet. DANKE, ES REICHT!
Willi wurde im Februar 2010 auf meine Mutter umgemeldet… nicht, daß die Finanzämter Gütersloh und Berlin untereinander kommunizieren! Gütersloh hat seine Steuer neu bekommen (was ja üblich ist), Berlin aber nicht die überzahlte zurückgebucht. Damit nicht genug, man ist sich auch nicht zu fein, das nächste Halbjahr weitere 721 Euro einfach abzubuchen, was jedoch mangels ausreichender Deckung des Kontos zu dem Zeitpunkt glücklicherweise vereitelt wurde.
Genau das bekommt dabei heraus, wenn “Datenschutz” auf die Spitze getrieben wird. Statt sich über lächerlich zu machen im Kampf gegen so sinnvolle Dienste wie Google StreetView, sollten die sogenannten Datenschutzbeauftragten besser mal hinterleuchten, was sie eigentlich den ganzen Tag für eine Scheiße anrichten.
Ich möchte wirklich nicht wie einer dieser “hier ist alles besser!”-Auswanderer klingen, weil das sicher auch nicht der Wahrheit entspräche. Viele Dinge sind hier aber viel einfacher. Kleinbetriebe mit einem jährlichen Umsatz von unter 56.000 Pfund brauchen keinerlei Umsatzsteuer zu zahlen, sie allerdings auch erst gar nicht vom Kunden einfordern. Eine Gegenrechnung mit steuerhaltigen Ausgaben fällt dann natürlich auch weg.
Für die Kfz-Steuer kauft man hier halbjährlich oder jährlich auf einem Postamt oder direkt bei der Kfz-Behörde eine Steuerplakette (“tax disc”), für die man gegen Abgabe selbiger an den gleichen Stellen eine Vergütung bekommen kann (weil man das Auto z.B. derzeit nicht nutzt), abzüglich etwa 20 Pfund Bearbeitungsgebühr. Ansonsten wird das Auto mit tax disc ge- und verkauft, der Käufer freut sich, ohne gültige tax disc sind Autos nur schwer abzusetzen, weil nicht auf der Straße überführbar und erst versteuerbar, wenn man eine Kfz-Versicherung nachweisen kann (die man jedoch online bereits beim oder vor dem Kauf eines Autos abschließen kann). Läuft eine tax disc ab, bekommt man etwa 8 Wochen vorher einen reminder, einen Erinnerer, der einen daran erinnert und der eine Referenznummer enthält, mit der man das Auto mit zwei Klicks online SORN (statuatory off road notice – derzeit nicht auf der Straße) melden kann/muß, wenn man keine neue Steuerplakette kauft.
Erwähnt sei noch, daß der Normalsterbliche mit Einkommen unter 2500 Pfund im Monat (so etwa) niemals nicht Steuererklärungen abgeben muß, solange er nicht irgendwas geltend machen möchte, wie Fahrkarten, geschäftlich genutzte Autos oder was es sonst so auch in Deutschland in dem Fall gibt).