Food im Routemaster

Wie sich ja vielleicht mittlerweile herumgesprochen hat, arbeite ich ja seit letztem Jahr Oktober für die Foodmaster Ltd. Erst Umbau eines Routemaster-Busses zum Foodmaster, nun bin ich dessen Fahrer und Würstchenbräter.

Fahren macht natürlich voll Spaß (ey), allerdings macht sich das Gewicht ordentlich bemerkbar. 135PS für über 10 Tonnen sind eben doch nicht eben üppig. Ein Drehzahlband von 600 bis nur 1800 Umdrehungen mit sparsam schaltendem 4-Gang-Automatikgetriebe (man höre und staune, das war Luxus 1964, ebenso die Lenkhilfe) machen den Bus nicht gerade zum Sportwagen. Für Techniker: ein 8,3l großer Reihensechszylinder-Diesel vom Typ Cummins C mit nachgeschaltetem Oxidationskatalysator und immerhin Euro1-Abgasnorm wurde 1991/92 bei der Modernisierung der Routemaster-Flotte eingebaut, die alten CAV-/AEC-Automatikgetriebe (die aus Gewichtsgründen in Fahrzeugmitte weit weg vom Motor platziert sind) wurden beibehalten, allerdings mit einer elektronischen Ansteuerung versehen, die die alte anfällige – aber faszinierende! – Relaisschaltung ersetzte. Wer einen kleinen Vortrag über letztere hören möchte, darf sich gern vertrauensvoll an den Autor wenden, der hat deren Funktionsweise nämlich mal aufgrund von Fehlfunktionen autodidaktisch gelernt. Boah.

Zurück zum Thema (hach, die Technik ist doch fast viel interessanter als die ollen Würste ;-) ): heute ging das dritte Event vorüber, während dessen sich weitere neue Eindrücke einbrannten. Verstanstaltungsort war der Ridgeway Park in Chingford in Nordostlondon, offenbar eher durch untere bis mittlere Mittelschicht geprägt. So auch die Verkäufe: viele Getränke dank des warmen Wetters, aber relativ wenig Essen dank einkommensschwächerer und kinderreicher Bevölkerung.

Heute auf dem Dance Festival in Chingford (NO London)

Werbetafeln. Oder doch Türen?

Überhaupt: logischwerweise gibt es je nach Gegend sehr unterschiedliche Kundschaft mit sehr unterschiedlichen Wünschen. Im teuren und schicken Kingston (ganz im Südwesten, wo wir letzte Woche 3 Tage standen) haben wir viel Kaffee und (auch dank vieler Deutscher) Würstchen verkauft und viele verschiedene Teesorten, heute nur schwarzen Tee, Unmengen an Coke, (zu) wenig Essen, (zu) wenig Kaffee, obwohl wir die einzigen mit Espressomaschine waren.
Planung ist sehr schwierig: haste 6 Würste aufm Grill – bzw der Griddleplatte – liegen, willse keiner haben. Dann stehen plötzlich zehn Leute Schlange und wollen Würste haben, dann legste kräftig nach und hast nach Abarbeiten des Andrangs wieder eine halbe Stunde 4 Stück rumliegen, die man dann wegwerfen kann. Einen Tag gibt’s ständig Nachfragen nach Dings und Bums (z.B. Milchkaffee aus Soja- oder gar Reismilch), bieteste das nächsten Tag an demselben Platz an, will’s keiner haben. Einen Tag werden die Brötchen oll, am nächsten Tag fressen Dir die Leute die Haare vom Kopf. Wie letzten Samstag: eigene Würste irgendwann mittags alle und dann noch 2x bei Lidl nachgekauft, Brötchen dito. Naja, ist wohl so. Aber wer soll das denn planen? Vor allem wenn alles frisch sein soll.

Was ich nicht für möglich gehalten habe: ich habe plötzlich Hunger auf Brat- und Currywurst, obwohl ich den ganzen Tag im Bratmief stehe und die Dinger drehe und wende. Früher wurde mir nur beim Gedanken an eine Bratwurst schon schlecht und ich hatte übelste Bedenken, die Dinger braten zu müssen. Schlimm wird’s allerdings nach 6-7 Stunden, dann beginnt die Griddleplatte (eine 60×60cm große 12mm dicke Edelstahlplatte mit Umrandung und Gasbeheizung von unten) zu stinken, weil ausgelaufenes “Bratwurstwasser”, Zwiebelsaft und Öl trotz regelmäßiger Reinigung mit einem Spachtel sich festsetzen und verbrennen und dann nach ekligem altem Bratwurstfett stinken. Dann hilft nur noch Intensivreinigung mit Spachtel und viel Kraft, doch die etwa 1/10mm dicke schwarze Schicht auf der Stahlplatte läßt sich wohl nur noch mit der Flex entfernen. Nach dem Auskühlen und neuem Aufheizen stinkt’s auch nicht mehr, seltsamerweise. Das klingt jetzt vielleicht eklig, ist es aber nicht. Elkig ist der “Ekelbehälter”: die Platte hat ein Loch, durch das man Bratrückstände in eine daunter befindliche Schublade befördern kann. Die auszuleeren ist dann unangenehm und fast wie der erste Motorölwechsel nach 150.000km…

Ansonsten macht die Arbeit Spaß, auch wenn sie anstrengend ist. Denn durchgehendes Stehen ist angesagt, richtig Leerlauf gibt’s kaum. Ist gerade kein Kunde da (mit mir arbeitet immer noch mindestens eine weitere Person im Bus, meistens aber zwei oder drei), müssen die draußen stehenden Sitzgruppen (3 Tische mit je 4 Stühlen) gesäubert und sortiert, die beiden Tische links und rechts der Ausgabe mit Soßen, Milch, Zucker & Co gereinigt oder aufgefüllt, Mülleimer geleert, Getränke im Kühlschrank aufgefüllt oder irgendwas gespült oder abgewischt werden. Heute habe ich auch noch 2x Kuchen gebacken, nur so nebenbei. Langeweile ist nicht….

Wenn ich gleich mal Lust habe, mein Handy auszulesen, gibt’s noch ein paar Fotos. Bis dahin muß der Link zur Facebook-Seite reichen, da gibt’s 20 Profi-Fotos.

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