Mothballed
Jaja, mothballed. Eingemottet. Der Willi. Meine fahrbare Wohnung. Und das kam so:
mit Fertigstellung und Inbetriebnahme ließ sich ein Umzug nach London nicht mehr vermeiden, da mein Arbeitsplatz nunmehr nicht mehr im schönen und ländlichen Kent sein wird sondern in der großen Stadt. Nicht so schlecht, aber das geht eben nicht mit Willi, weil mich einerseits die Umweltzone im Londoner Stadtgebiet an der Einfahrt hindert (wenn ich mich nicht für 200 Pfund für einen Tag Fahren in der Stadt freikaufen will), mir andererseits bezahlbare und lebenswerte Stellplätze nicht bekannt sind. Auf einem Gewerbehof zwischen 23 anderen Lkw möchte ich nicht parken.
Und so kam es, daß ich ihn, den dicken Roten, heute in der Lagerhalle eingemottet habe, in der wir in den letzten 4 Monaten am Bus gewerkelt haben und vor der auch Danny und Roddey stehen, zwei meiner drei Golf II GTI (der dritte ist zur Untermiete in eine Garage in Deutschland eingezogen).

Links Willi, rechts vorn (nicht mehr) mein alter roter Golf, rechts hinten RM357, nicht der Foodmaster.
Mit großem Rucksack ging’s dann weiter ins Haus meiner Chefs und Freunde, wo schon von den vergangenen zwei Wochen Schlafsack und selbstaufblasende Isomatte auf mich warteten. Das Hausen in deren Wohnzimmer ist kein Dauerzustand und so habe ich mich sogleich aufgemacht, eine neue Bleibe zu suchen. Das ist gar nicht so schwierig, house und flat shares gibt’s massenhaft, selbst Räume kann man sich teilen. Letzteres wollte ich denn doch nicht, house share ist zu teuer, flat share also. Hier gab’s wieder Wahlmöglichkeiten nach Größe (single oder double room), Preis (60 bis 300 Pfund pro Woche) und natürlich Lage, die in meinem Fall im mehr bodenständigen bis alternativen und vor allem sehr multikulturellen Nordosten sein sollte. Zwischendurch kam noch der Südosten in Frage, aber grundsätzlich teilt man diese Stadt und deren Bewohner ganz klar nach North oder South of the River ein, wobei letztere irgendwie nicht so richtig ernst genommen und als uncool angesehen werden. Und uncool will ich natürlich nicht sein.
Nachdem ich die letzten 4 oder 5 Jahre alles andere als konventionell gelebt habe (14-Mann-WG, Büro-WG, Mini-Wagenburgen), kam auch hier keine konventionelle Wohnung in Frage. Und so werde ich nun am Mittwoch in eine WG ziehen, in einem ehemaligen Lagerhaus, das nicht wirklich professionell zu Wohnraum umgestaltet wurde. Aber herrlich schräg und ein wenig chaotisch, mit Musik-Proberaum und interessanten – und vor allem englischsprachigen! – Leuten. Ganz billig ist das nicht, inkl. allem 450 Pfund für etwa 16qm, das ist allerdings schon fast die Untergrenze für einen zumutbaren Raum. Ähnliche warehouse conversions kosten gern auch mal 650 Pfund im Monat und mehr, bei allerdings auch zunehmender Seriosität. Auch nach unten ist noch ein wenig Luft, die “Monkey Farm” z.B. erinnert an ein Fernsehstudio: in einer Lagerhalle wurden mehr oder weniger beliebig Räume aus Spanplatten und Trockenbauwänden erstellt, mit Decke allerdings, dafür ohne Scheinwerfer… Und diese WG ist mal wirklich unterirdisch very basic, selbst für mich. Da muß man offenbar hart im Nehmen und/oder sehr jung sein. Die Gemeinschaftsräume sind – naja, schweigen wir darüber. Dagegen ist meine zukünftige WG, “The Rat”, schon posh und luxuriös.
Damit wird Willi nun noch wenigstens vorübergehend, aber wohl eher langfristig, mehr immobil als bisher schon, der Blog sollte also umbenannt werden… Nein, wird er nicht, immerhin besteht er seit mittlerweile 4 Jahren und 1 Monat und ist bei einigen Leuten bekannt. Ich werde also weiter hier berichten, wenn auch nicht über und aus Willi. Fotos, wenn ich mein Handy ausgelesen habe.
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Schön, dass Du einen Weg um den Verkauf herum gefunden hast
Ich habe da mal ne Frage:
Du schreibst mehrfach, dass das Bleiberecht auf einem Campingplatz in Britain auf 28 Tage beschränkt ist. Woher hast Du diese Information?
Wir haben einen bösen Nachbarn, der uns ständig nervt. Der hat einen temporären Campsite und beherbergt Gäste die schon länger als 8 Wochen da stehen. Wäre gut zu wissen, dass er das illegal macht – nur so als Defensiv waffe
grüße
Berth
Die Information habe ich von jedem einzelnen Campingplatz-Owner bekommen und sie war jedesmal das erste, was ich zu hören bekam. Dran gehalten hat sich letztlich niemand, auf dem letzten war ich 17 Wochen
Das ganze hat wohl mit der Lizenz zu tun, die meisten Plätze haben nur eine Urlaubslizenz für maximal 28 Tage. Auf einem Platz nahe Brands Hatch in Kent standen auch dauerhaft sogenannte “mobile homes”, die aber alles andere als mobile waren. Auch hier gibt es wieder Ausnahmen, viele derartige Plätze dürfen diese mobile homes nur für 11 Monate beherbergen, für einen Monat müssen die Dinger dann physikalisch den Platz verlassen. Der Platz in Kent hatte eine Lizenz, die auch das feste Wohnen dort erlaubte, dort hätte ich länger bleiben können, aber der war a) weit ab vom Schuß und b) mit 140 Euro pro Woche unerträglich teuer.
danke. So was hatte ich mir schon gedacht. Werde das mal nachprüfen