Mobil leben

Ich über mich

Als ich am 17. Oktober 1972 im schönen Bielefeld das Licht der Welt erblickte, war noch gar nix klar und mir schon gar nicht. Aber das ist wohl bei den meisten Menschen so.
Niemand konnte damals vorhersehen, daß ich nach 13 Jahren Schulbankdrücken – wenn auch knapp – mein Abitur ablegen sollte. Siebeneinhalb Jahre Latein gingen dabei ungefähr genauso spurlos an mir vorüber wie die höhere Mathematik und die Vererbungslehre im Bio-Leistungskurs. Beim Deutschen Roten Kreuz in Bielefeld konnte ich jedenfalls beim Befördern – wie heißt das heute so schön – mobilitätseingeschränkter Menschen meine Vorliebe für’s Busfahren wenigstens im Kleinen ausprägen. Dabei entwickelte sich auch meine erste Liebe: der Mercedes-Benz-Kastenwagen T1 (sprich: 207D bis 410D). Damals reichte das Geld noch nicht für so ein Gefährt, daher mußten mehrere VW Golf (immer dieselbefeuert, immer stärker: 54, 2x 70 und dann 80 PS), ein Seat Ibiza (Diesel mit 110 PS, logo) und noch ein Golf (natürlich wieder ein Diesel, jetzt schon 130 PS) vergehen, bis endlich der Traum war wurde: nahe Ulm erstand ich einen 1992er 210D mit gerade mal 99.000 km…

Nach dem Selbstausbau zum Wohnmobil diente mir das Gefährt von Juli bis Dezember 2005 und von April bis Dezember 2006 als Dach über dem Kopf. Zusammen mit noch einem Wagenbewohner wohnte ich auf dem Gelände meiner Firma in Berlin, das von 1994 bis 2009 meine Heimat war.
Achja, die zweite große Liebe hieß übrigens Jens und die dritte Andreas, mit dem ich immerhin 9 Jahre meines Lebens gemeinsam verbracht habe. In dieser Zet haben wir uns allerdings auseinandergelebt, so daß im August 2006 Christian an seine Stelle trat (und von dieser im Mai 2007 wieder wich). Seit August 2007 hat mein Lebensgefährte nunmehr vier Beine, ist schwarz, meistens ganz nett und heißt Pepe. Ein Hund.

Lebt man in Berlin, so kommt man fast zwangsläufig mit dem Thema Wagenburg irgendwie in Kontakt. Sei es, weil man sich über sie ärgert und gegen sie protestiert, daß man über diese Haltung in der Zeitung liest und den Kopf über so viel Intoleranz schüttelt oder weil man sich für diese Lebensform interessiert. Letzteres war und ist bei mir der Fall, wobei die meisten Wagenburgen nicht unbedingt meinen Vorstellungen von einem schönen Leben in dieser Form entsprechen. Das Klischee vom dreckigen oder von Junkies bewohnten Rollheimerdorf ist leider oft keines, aber ich würde sie nie alle über einen Kamm scheren. Ich kenne mittlerweile einige Rollheimer, nette Leute, die sich ihren eigenen Lebensstil gönnen. Allein oder in kleiner Gruppe stehend oder auf einer kleinen Wagenburg. Mobil ist aber anders…
Ich möchte im Wagen leben, weil ich die Freiheit genießen möchte, weil ich der Natur nahe sein möchte, weil ich in meinen eigenen vier Wänden leben möchte, weil ich einerseits gern unter anderen Menschen bin, andererseits aber auch die Einsamkeit genießen möchte.

Der Traum vom mobilen Leben geht weiter, aus dem Kleintransporter entstand der Wunsch nach einem schönen alten Holzschindel-Zirkuswagen, aber womit ziehen? Und wohin? Diese Wagen sind oft Langsamläufer, bei 25 oder 60 km/h ist spätestens Schluß. Also war klar: ein Lkw muß her! Meiner gepflegten Leidenschaft für Nutzfahrzeuge mit dem Stern, die bislang am Miteigentum an einem ausgewachsenen MB-Stadtlinienbus vom Typ O305 gipfelte, wurde mit der Anschaffung eines 18-Tonnen-Möbellasters die Krone aufgesetzt. Über dieses Thema ist hier mehr zu lesen.

Seit März 2008 bin ich meinen Traum nun einen großen Schritt näher gekommen, seitdem lebe ich im Laster. Sage ich das so (“Ich lebe im Lkw”), können sich viele nichts darunter vorstellen. Vielleicht denken die, ich würde ein Fahrerhaus bewohnen. Der Traum mit dem Zirkuswagen ist aber noch nicht ausgeträumt, man muß sich ja auch hier noch Entwicklungsspielraum geben.

Seit Anfang Oktober steht meine Wohnung auf einem Campingplatz im landschaftlich sehr schönen Kent im Südosten England, davor, von Mitte August bis zum Umzug, war ich auf einem ländlichen Campingplatz, besser eine Wiese mit Strom- und Wasseranschluß und Dusche, etwa 30km östlich von London. Doch hier zeigten sich dann die ersten Probleme mit dem Leben im Lkw: das ist hierzulande völlig unbekannt, hier pflegt man stattdessen in Wohnwagen zu leben (wenn nicht in Haus oder Wohnung). Schön ist, daß es im Gegensatz zu Deutschland völlig legal ist, in einer solchen Behausung zu leben, weniger schön ist, daß es schon sehr schwer zu sein scheint, einen ordentlichen Platz zu finden. Campingplätze nehmen oftmals keine Langzeitbewohner auf (daher mußte ich vom ersten wieder runter, hier darf ich, bezahle auch 600 Euro im Monat dafür!), die Farmen sind oftmals winzig klein oder aber industriell geprägt, beides schließt eine Aufnahme meines Kompaktmobils :-) aus. Aber irgendeinen Platz werde ich schon finden, da bin ich sicher!

3 Kommentare »

 
  • chrescht sagt:

    Hallo,
    bin deinen umbau mit interesse am verfolgen. nenne seit kurzem einen man ÜL-Bus als umgebautes wonmobil mein eigen. und will noch einiges passend bauen. u.a. eine solartermie anlage und zerhackerklo.
    hast du eine tel.nr oder skype, damit man sich vielleiicht ein wenig austauschen kann.

    bis bald,
    chrescht beneke
    skype: chreschtb
    015117890347

  • berth sagt:

    ich find’s nicht wieder: irgendwo hier habe ich über AXXESO gelesen, diese spanische Telephone-Coop, die Du empfiehlst.
    Ich stehe im Moment – auch wegen mobilen Lebens – vor der Frage, das festnetztelefonieren aufzugeben zugunsten VOIP. Da gibt’s z.B. die SkypeIn – Nummer. Aber eben auch was ähnliches von AXXESO. Hast Du Erfahrungen mit dieser Firma? Danke im voraus.
    Grunz
    Berth

  • Björn sagt:

    Hatte ich hierauf nicht geantwortet? Schlamperei. Ich kenne die Gründer persönlich, ich habe aber mit den Produkten nichts zu tun und auch keinerlei Erfahrung.

 

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