Der Artikel kommt ein wenig spät, doch er kommt. Und vielleicht sogar zum richtigen Zeitpunkt, denn ab Dienstag ist das Ding auch in Deutschland bei Vodafone mit und ohne Vertrag zu haben. Ich habe es bereits im Januar oder so über Ebay erworben, Import aus den USA. Und warum? Recht einfach: weil es unter Linux läuft und ich endlich auf den Quatsch aus Redmont komplett verzichten kann (auf dem Laptop läuft seit 3 Jahren Ubuntu-Linux), denn meine drei letzten Smartphones (das sind Handies mit recht großem Bildschirm, bekannt sind z.B. das Blackberry oder das iPhone) liefen unter Windows Mobile. Old stuff, mit Fingern kaum bedienbar, es braucht immer einen Stift. Das letzte, das HTC Touch Diamond 2, war aber schon recht weit entwickelt, aber eben noch mit Windows und so.
Da kam das HTC Nexus One, das “Googlephone”, genau recht: mit dem von Google neu entwickelten, kostenlosen und quellenoffenen Betriebssystem Android in der Version 2.1, mit einem kapazitiven MOLED-Bildschirm mit beachtlichen 480×800 Bildpunkten, fünf Desktops, natürlich WLAN und HSPA. Dieses Telefon läßt sich nun NUR mit Fingern bedienen, das aber recht ordentlich, die Bildschirmtastatur jedoch könnte jedenfalls im Hochformat auch mal einen Eingabestift vertragen. Dreht man das Telefon um 90° nach links, so wird auch der Bildschirminhalt gedreht und auf Breitformat umgeschaltet, damit wird die Tastatur viel breiter und gut bedienbar.
Weitere Highlights sind 1 GHz Taktfrequenz, volles Multitasking, eine 5MP-Kamera mit LED-Blitz, ein Trackball (der noch dazu zwecks Benachrichtung in verschiedenen Farben leuchten kann), ein Marktplatz mit über 50.000 einfach herunterlad- und installierbaren Applikationen (Adroid Market), GPS, Beschleunigungssensoren in alle Richtungen, Kompass. Der GPS-Empfänger ist superschnell und genau, er einet sich auch hervorragend zum GeoCachen.
Was ich erst nach und nach herausbekomme: die volle Integration der Google-Produkte ins System (Picasa, Googlemail, Youtube etc.) funktioniert reibungslos, ebenso wie die Synchronisierung der bei Google liegenden Kontaktdatenbank auch mit Facebook. Per Kamera aufgenommene Fotos können direkt per Picasa (oder Facebook, Twitter, Mail…) veröffentlicht werden, andersherum kann aus zum Beispiel der Twitter-Anwendung “Touiteur” heraus auf die Kamera zugegriffen und ein Foto geschossen werden, das dann unmittelbar per Twitter/Twitpic veröffentlicht werden kann. Schicke Sache, benutze ich derzeit etwas öfter.
Gerade hat Google die Version 2.2 des Android-Systems veröffentlicht (installiert ist standardmäßig bereits 2.1), die weitere Verbesserungen bringt wie Flash 10.1 (das, wogegen sich Apple so wehrt, das aber unverzichtbar ist, wenn man in Internetseiten eingebettete Videos ansehen möchte und für die Darstellung diverser Internetseiten), einen neuen Compiler, der das Gerät in manchen Bereichen bis zu über viermal schneller werden läßt, das wählbare Installieren von Programmen (Apps) auf SD-Karte, Einführung von UMTS-Tethering (das Telefon fungiert als UMTS-Router per WLAN oder USB-Kabel) und ein paar kleinere optische Verbesserungen.
Nicht vergessen dar ich jedoch auch die Erwähnung der durchaus auch vorhandenen Nachteile: der Bildschirm spricht nicht immer so präzise an wie man sich das wünschen würde, durch die stark gerundeten schmalen Langseiten läßt es sich vor allem im Kamerabetrieb schlecht festhalten, bei vollem Einsatz von UMTS, WLAN, GPS und langer Einschaltdauer des Bildschirms hält der Akku keinen ganzen Tag durch, dabei wurde noch nicht telefoniert, was das Gerät natürlich auch kann!
Leider kann ich kein Foto von meinem Telefon hier zeigen, denn erstens kann es sich nicht selbst fotografieren und eine andere Kamera habe ich nicht zur Hand und zweitens habe ich das Ding mal wieder fallen lassen (wie jedes Telefon bisher), dabei ist die Glasscheibe mehrfach gesprungen… GRRRR.
Die nächste Evolutionsstufe ist, Apple war mal wieder Vorreiter, das Touchpad, also letztlich Netbooks ohne Tastatur oder große Smartphones ohne Telefonfunktion, je nach Sichtweise. UMTS können viele, Android ist ebenfalls bei fast allen Herstellern außer Apple (iPad) Standard, weil eben Standard und zudem kostenlos verfügbar. Alle auf den Smartphones lauffähigen Apps funktionieren auch auf den größeren Touchpads, die zusätzlich noch USB- und teilweise HDMI-Anschlüsse bieten, eingebaute Festplatten oder vergleichbare Speichermedien und einen größeren Bildschirm, jeweils verglichen mit den Smartphones.