Seit vergangenem Montag steht fest: Barney, der rote GTI, ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Aber bereits zuvor, mir war das bereits vorher klar gewesen, hatte ich mich intensiv mit dem Kauf eines Ersatzwagens beschäftigt.
Aber natürlich: genau dann, wenn ich ein Auto brauche, gibt’s keins. Golf II GTI war klar, doch soll’s ein 8-Ventiler mit 112PS oder wieder 16-Ventiler mit 139PS werden? Beides wird in brauchbarem Zustand nicht in großer Menge angeboten. Die Preise variieren zwischen 1.000 und 4.000 Pfund, dabei ist der Zustand oftmals auf den Fotos bereits als heruntergeritten oder hervorragend zu bewerten.
Da ich den roten schon sehr mochte, vor allem auch optisch, suchte ich vor allem nach einem ähnlichen Auto. Dazu sollte er vier Türen haben, was die Auswahl vor allem beim 16V schon erheblich einschränkte, der coupéähnliche Zweitürer war hier wohl damals erste Wahl. Weiter erschwerend wirkte sich die Tatsache aus, daß ganz besonders dieses Tornadorot gern zum “Tornadopink” wird, wenn es lange der Sonne ausgesetzt wird. Letztlich sollte man sich auch vor Augen führen, daß England ein sehr lang gestrecktes Land ist und eine schnelle Besichtigung gern mal zu mehr als einer Tagesreise per Zug werden kann…
In die nähere Wahl fiel daher ein roter 16V in London für 1.500£ . Der Zustand war als gut beschrieben worden, der Preis war okay, also war am vergangenen Sonntag eine Besichtigung verabredet. Die erste Besichtigung brachte reichlich Enttäuschung: eine interessanterweise oben durchgerostete Fahrertür, reichlich ausgeblichener Lack und auch sonst nicht sonderlich schöner Zustand waren mit Barney nicht annähernd zu vergleichen. Und doch kaufte ich das Auto nach einer Probefahrt, aber mehr halbherzig. Nach der Kaufabwicklung fuhr ich nur 10 Minuten, um festzustellen, daß ich mit dem Ding nicht glücklich werden würde. Das Getriebe machte Geräusche, der Himmel hing herunter, der Motor war ohne Kraft usw., also war eine Rückgabe angesagt, die auch unkompliziert ablief, zumal der Verkäufer nicht wirklich verkaufen wollte.
Ich war wieder ohne Auto, aber auch sehr erleichtert. Die weitere Suche förderte einen weiteren 16V in London zutage, in dunkelgrau. Laut Telefonat rost- und beulenfrei, bei Besichtigung aber rost- und beulenvoll. Schade drum, eigentlich ein schönes Auto, stand aber schon seit einem halben Jahr, keine MOT (TÜV), keine Steuer, zugeparkt, keine Probefahrt möglich. Und keine Preisverhandlungen möglich, viel zu teuer dazu.
Alle anderen interessanten Autos waren mindestens 2 Stunden Fahrzeit entfernt, und so entschied ich mich Montag Mittag kurzfristig, schnell mal eben 2,5 Stunden nach Mansfield bei Nottingham zu fahren, dort gab’s einen ebenfalls dunkelgrauen GTI 8V in angeblich tadellosem Zustand. Das Auto sah nach Ankunft außenrum wirklich sehr schön aus, bei näherem Betrachten nicht mehr ganz so, aber immer noch schick, immerhin 18 Jahre alt.
Das Öffnen der Motorhaube offenbarte dann einen bereits geschweißten rechten Längs- und sehr verrosteten vorderen Querträger, der wirklich fast neuwertige Innenraum entschädigte dafür. Die Probefahrt war auch ohne Beanstandung, also wurde das Auto gekauft. Wozu druntergucken, Golf II rosten nicht von unten…
Die Fahrt war problemlos, der Motor “pulls like a train”, sehr kraftvoll, das Getriebe und Fahrwerk sind tadellos. Am nächsten Tag, bei Tageslicht, lauerte jedoch Ernüchterung auf breiter Front: Hinterachsaufnahmen bereits geschweißt, Vorder- und Hinterachskörper stark verrostet, Unterrostungen des Unterbodenschutzes an vielen Stellen. Die Lösung: das Auto stammt von der Westküste, aus Carlisle, kurz vor Schottland. Da rosten wohl auch 2er Gölfe.
Schön isser trotzdem, aber nicht rot. Den durchgerosteten (!) Ölfilter habe ich besser erneuert, das Öl war auch pechschwarz, war also höchste Zeit.

Fast exakt gleich alt, beide Spätkommer und erst 04/92 zugelassen, mehr als ein halbes Jahr nach Produktionsende.